Untersuchungen zufolge treffen wir durchschnittlich 35.000 Entscheidungen pro Tag. Wenn Ihr Schlafrhythmus stimmt, sind das etwa 2.200 Entscheidungen pro Stunde. Zum Glück laufen die meisten davon automatisch ab. Wir putzen uns nach dem Aufwachen die Zähne, essen eine Scheibe Brot, genießen einen Kaffee oder entscheiden uns für die gesunde Variante und fahren mit dem Rad zur Arbeit. Einzeln betrachtet sind diese Entscheidungen meist nicht besonders bedeutsam.
Manche Entscheidungen wiegen jedoch schwerer und haben größere Folgen. Und wenn es Zeit für solche Entscheidungen wird, kann Ihnen eine Denkfalle begegnen, die als Trugschluss der versunkenen Kosten bekannt ist.
Worum geht es
Was ist der Trugschluss der versunkenen Kosten also genau? Wir Menschen sind emotionale Wesen. Unsere Entscheidungen sind nicht rein rational. Deshalb bringen wir uns manchmal selbst dazu, Entscheidungen zu treffen, bei denen es vor allem darum geht, Verluste zu vermeiden.
Eine Studentin entscheidet sich zum Beispiel, ihr Studium fortzusetzen, weil sie das erste Jahr bereits abgeschlossen hat – obwohl sie tief im Inneren längst weiß, dass es nicht das Richtige ist. Oder Sie führen eine Beziehung weiter, weil Sie so viele gemeinsame Freunde und Erinnerungen teilen.
Es passiert auch im Kleinen. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen Konzertkarten. Sie sind früh aufgestanden, haben sich angestellt, einen ordentlichen Betrag bezahlt und schließlich heldenhaft die Plätze in der ersten Reihe bei Ihrem Lieblingsact ergattert. Doch dann schlägt das Schicksal zu: Als es ein halbes Jahr später so weit ist, fühlen Sie sich krank. Gehen Sie trotzdem hin? Schließlich haben Sie bereits so viel investiert, um dorthin zu kommen.
Auswirkungen auf die Gesundheit
Dem Trugschluss der versunkenen Kosten lässt sich nur schwer entkommen. Wenn Sie mit Ihren Entscheidungen unzufrieden sind, könnte genau er dahinterstecken. Haben Sie in letzter Zeit Zeit und Mühe in Dinge gesteckt, die Ihnen keine Freude mehr bereiten? Oder schieben Sie eine große Entscheidung vor sich her, obwohl Sie die Antwort tief im Inneren längst kennen? Lassen Sie sich davon nicht innerlich auffressen. Es ist normal und weit verbreitet, Entscheidungen auf Grundlage früherer Investitionen zu treffen. Aber lassen Sie nicht zu, dass das Ihr Leben bestimmt oder automatisch für Sie entscheidet.
Selbstkorrektur
Der Trugschluss der versunkenen Kosten entsteht, wenn vergangene Entscheidungen bei künftigen Entscheidungen die Hauptrolle übernehmen. Hier sind ein paar Anhaltspunkte, mit denen Sie die Wirkung dieser Denkfalle abschwächen können.
Versuchen Sie, bei einer großen Entscheidung den Trugschluss der versunkenen Kosten mitzudenken. Halten Sie mögliche Verzerrungen fest, die Ihre Entscheidung beeinflussen könnten. Fragen Sie sich: „Was würde ich tun, wenn ich ganz neu dazukäme und diese Entscheidung heute treffen müsste?“
Treffen Sie bei kleineren Entscheidungen ruhig eine spontane Wahl und achten Sie sofort darauf, wie sie sich anfühlt. Bringt Ihnen die Entscheidung Erleichterung und Freude? Der Trugschluss der versunkenen Kosten wird umso stärker, je länger wir grübeln.
Es ist nahezu unmöglich, den Trugschluss der versunkenen Kosten vollständig aus Ihrem Leben zu verbannen, aber wir können unsere Entscheidungen bewusster treffen. Und alles beginnt mit dieser einen Kleinigkeit: Richten Sie den Blick darauf, wohin Sie wollen – auf Ihren Nordstern – statt darauf, was Sie auf dem Weg dorthin bereits aufgewendet haben.

